Lemgo lässt es Liebe sein

Die Stadt will Menschen für sich sprechen lassen – und so Nachwuchs gewinnen.

Lemgo baut an der digitalen Stadt und setzt dabei ganz auf die Liebe zur Heimat. Gestern haben Bürgermeister, Verwaltungs- und Campus-Mitarbeiter sowie die Agentur „Identitätsstiftung“ aus Hannover die Plattform Lemgoliebe scharfgeschaltet. In den kommenden Jahren soll eine 200.000 Euro schwere Standortkampagne folgen, um Menschen für die Stadt zu begeistern und zu gewinnen.

Kämmerer und Erster Beigeordneter Dirk Tolkemitt macht klar: „Wir wollen nicht weitere niederländische Tagestouristen holen. Wir, das heißt auch heimische Unternehmen, brauchen Menschen, die hier dauerhaft ihre Zelte aufschlagen oder gar nicht erst weg wollen.“ Über das Portal Lemgoliebe möchte die Stadt deswegen der Zuneigung zur alten Hansestadt ein menschliches Antlitz geben. Und dieses dann bundesweit, interaktiv und persönlich zugeschnitten nach draußen spielen.

Björn Vofrei, Geschäftsführer der Agentur „Identitätsstiftung“: „Erst müssen wir wissen, wie die Lemgoer ticken.“ Mit der Erkenntnis ließen sich anschließend zielgerichtet Personen „anwerben“, die von ihren Hobbys, ihren Interessen und vielleicht sogar ihrer Denke her hierher passen. Eine teure Plakatkampagne in der Berliner U-Bahn gehe an den meisten Menschen dagegen spurlos vorbei. Das Internetzeitalter erlaube es, zielgerichtet neue Interessenten anzusprechen. Das soll, versichert Bürgermeister Dr. Reiner Austermann, am Ende zum Wohle der gesamten Stadt geschehen. Es gehe nicht darum, Dorf-Funk & Co. zu ersetzen – dieser soll bei Lemgoliebe verknüpft, aber nicht geschluckt werden. Und Lokaljournalisten soll Lemgoliebe ebenfalls nicht ersetzen, ist Austermann wichtig. Die Plattform lebt von Menschen, die ihre Geschichte und ihre Idee selbst erzählen. Damit das ganze Vorhaben läuft, müssen nun Lemgoer – darunter auch Geschäftsleute und Vereinsvertreter – mitmachen.

Die Eingaben auf Lemgoliebe werden von der Agentur „Identitätsstiftung“ betreut, wie Kommunikationsmanagerin Theresa Zimmer betont. Das heißt: Shitstorms oder ähnliches müssen die Lemgoer im Gegensatz zu anderen Sozialen Netzwerken nicht befürchten. Auch Jörg Rodehutskors, Chef des Innovation-CampusVereins, und Nikolas Rolf von der Transferförderung der Technischen Hochschule OWL sprechen von „genau dem richtigen Schritt, den der Campus braucht“. Irgendwoher müssen die angepeilten neuen 500 Studenten und Dutzende Firmenausgründungen ja kommen. An Kläschen wird die „Identitätsstiftung“ in der Stadt sein, um Lemgoer für Lemgoliebe zu gewinnen. Dort möchte sie Menschen, Orte, Veranstaltungen und Projekte digital verknüpfen.

(Quelle: Lippische Landes-Zeitung)