Nach der Vorlesung auf den Pumptrack

Der Stadtsportverband und der Innovation Campus planen, zu kooperieren und ein attraktives Freizeitangebot zu schaffen. Die Zusammenarbeit soll auch der Standortstärkung dienen. Ein erstes Projekt wird bald umgesetzt.

Lemgo. Sich nach der Arbeit oder einem stressigen Tag in der Uni oder Schule sportlich zu betätigen, hat für viele – gerade in der Coronakrise – enorm an Bedeutung gewonnen. Während die einen joggen gehen, verausgaben sich andere lieber beim Gruppensport, auf der Trainingsmatte oder beim Radfahren. Um all die unterschiedlichen Bedarfe abzudecken, haben sich der Stadtsportverband und der Innovation Campus zusammengetan und planen, verschiedene Freizeitangebote nicht nur für Lemgoer zu schaffen.

Seit rund einem Jahr werden die Köpfe zusammengesteckt, um zu ermitteln, was sich Jung und Alt wünschen und wie sich all das realisieren lässt. Und eine der Ideen ist inzwischen konkret geworden, wie Jörg Rodehutskors, Geschäftsführer des Innovation Campus, und Alexander Wegner, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, berichten. „Das Stichwort lautet Pumptrack“, sagt Wegner. „Also eine speziell geschaffene Strecke, auf der sich Zweiradfahrer jeglicher Art im flachen Gelände sportlich betätigen können.“

Das Besondere daran: Die Bewegung findet durch die Wellenform des Parcours fast ausschließlich durch pumpendes (engl. pump) Drücken statt. Das heißt, beim Befahren mit einem Fahrrad muss der Sportler nicht sitzen und durch Treten beschleunigen, sondern baut Geschwindigkeit durch das Hochdrücken seines Körper auf. „Aber nicht nur Radfahrer können die Strecke benutzen, sondern auch Inlineskater, Kinder mit Laufrädern oder Skateboardfahrer“, erläutert Wegner. „Ein Parcours für alle sozusagen.“ Doch wie kommt da der Innovation Campus ins Spiel? „In erster Linie geht es uns vor allem darum, vor Ort ein Campusleben zu schaffen“, sagt Jörg Rodehutskors. „Derzeit ist es so, dass hier ab etwa 17 Uhr Schluss ist. Für viele stellt sich dann aber die Frage, wie sie danach ihren Abend gestalten und sich möglicherweise sportlich betätigen können. Und wir möchten, dass passende Angebote künftig auch auf dem Campus angeboten werden.“ Wichtig sei ihm aber auch, den Standort weiter in die Stadt zu integrieren, sowie auch nach außen zu stärken. „Zwar zieht es immer mehr Menschen in ländliche Regionen, aber wir müssen vor Ort natürlich auch dafür sorgen, dass die Region attraktiv bleibt.“ So sei letztlich die Kooperation entstanden. „Und von der können beide Seiten profitieren“, ist sich Rodehutskors sicher. „Während wir vor allem die Räume liefern, die entsprechende Infrastruktur schaffen und möglicherweise für neue Mitglieder in den Vereinen sorgen, kümmert sich der Stadtsportverband darum, dass die Angebote auch genutzt werden.“ Und der Pumptrack soll dabei nicht die einzige Attraktion bleiben. Dass sich allerdings nicht alles davon auf dem Campus umsetzen lässt, darüber sei man sich im Klaren. Und auch für die geplante Zweiradstrecke ist bisher noch kein endgültiger Platz gefunden. „Wir haben hier vor Ort mehrere Standorte, die theoretisch geeignet wären. Da müssen aber vor allem Lärmgutachten ergeben, ob der Pumptrack dort jeweils realisierbar wäre“, gibt Rodehutskors zu bedenken. Schließlich sei ihm daran gelegen, Bürger und Campus weiter zu vernetzen und nicht Nachbarn gegen die Pläne aufzubringen. Der Stadtsportverband habe das Projekt Pumptrack bereits im Sportausschuss vorgestellt. „Derzeit sind wir im Austausch mit den Parteien“, berichtet Alexander Wegner. „Wir besprechen die Auflagen und mögliche Bedenken.“

Sollte sich die Strecke am Campus nicht realisieren lassen, soll das Projekt dennoch nicht sterben. „Dann haben wir andere Standorte in der Stadt im Blick“, sagt Wegner. Und dann bleibt da auch noch die Finanzierungsfrage. „Vergleichbare Projekte fangen bei rund 80.000 bis 90.000 Euro an“, erklärt der Stadtverbandsvorsitzende. Derzeit hoffe man auf Mittel aus der Leader-Förderung. „Da müssen wir noch schauen, ob die Kriterien erfüllt sind.“ Klappt das nicht, könnten möglicherweise andere Fördertöpfe in Frage kommen. Weil vor allem aber die Standortfrage noch ungeklärt ist, gibt es derzeit keinen Zeitplan. „Die momentane Bauphase auf dem Campus soll Ende 2022 beendet sein“, sagt Jörg Rodehutskors. „Es wäre schön, wenn in Zuge dessen auch der Bau des Pumptracks abgeschlossen werden könnte, damit nicht der Eindruck einer Dauerbaustelle entsteht.“ Dafür seien aber bis Ende des Jahres klare Aussagen nötig. Und dann, so hoffen beide, ist Lemgo in absehbarer Zeit um ein „Gesamterholungsgebiet“ reicher.

Anlage für Anfänger und Profis

Das Fahren auf einem Pumptrack ist nicht nur für Radfahrprofis gedacht. Auch für Anfänger soll die Anlage geeignet sein; Kinder mit Laufrad oder Roller könnten dort Gleichgewicht und Motorik trainieren. Ein Pumptrack besteht meist aus Erde, Holz, Asphalt oder Beton. Er ist etwa einen Meter breit und mit Steilkurven, Wellen und Sprüngen versehen. Weil er im flachen Gelände gebaut wird, kann er von beiden Seiten befahren werden.

Quelle
Artikel aus der LZ am 23.04.21
Lorraine Brinkmann